Der Wille zum Stil / XII

Jeder Innenraum gestaltet sich nach außen. Nirgends ein hervorragender Giebel. Kein Verschwimmen mit der Landschaft und trotzdem geistige Gestalt einer vitalen Ruhe, die über die Natur hinausgeht. Das nächste Bild zeigt ihnen ein Beispiel frontaler Architektur, bei der alles auf die Giebel konzentriert ist. (Beispiel: Rathaus in Münster.) Ich werde das eine zweidimensionale Architektur nennen. Der Giebel steht größenteils wie eine leere Kulisse da und kommt nicht aus der Innenstruktur heraus.
Gegenüber der malerischen Auffassung von zweidimensionaler Fassadenarchitektur ist es des Architekten Aufgabe, durch richtige verhältnishafte Eintelung des Raumkörpers den dreidimensionalen Raum zu überwinden. Die vier Seiten sollen in einer monumentalen Gestalt gefaßt werden. (Beispiel: „Allegonda“, Kamerlingh-Onnes-Oud.) Das hier gewählte Bild gibt einen Begriff vom architektonischen Prinzip unserer Zeit. Nun hat die Architektur schwierige Aufgaben vor sich. Selbstverständlich kommen beim Städtebau andere Probleme wie beim freien Bau in Frage. Auch für große Komplexe läßt sich eine gesunde Lösung finden, welche der plastischen Erscheinung unserer Zeit entspricht. (Beispiel: Pauw en Hardeveld: Häuserkomplex in Rotterdam.) Dasselbe Stilgepräge wie der Häuserkomplex zeigt das Expreß-Flugzeug Prag—Paris. (Beispiel.) Das nächste Bild zeigt eine Eckauflösung, bei der durch starke Betonung von Vorsprung und Vertiefung eine schöne plastische Wirkung entsteht. Der Schornstein in der Mitte dient dem Ganzen als Achse, ohne daß eine Symmetrie entsteht. (Beispiel: J. Wils: Hôtel-Woerden.) Die Rhythmisierung des Raumes durch wiederholte Unterbrechung von kubischen Massen zeigt sich auch in dem nächsten Kontorgebäude-Komplex. (Beispiel: Inginieursbau.) Dort drücken sich die durch Funktion bestimmten Innenräume konstruktiv nach außen aus. Gehen wir jetzt von der äußerlichen architektonischen Erscheinung nach dem Inneren, so sehen wir, wie in diesem Bild eine gemeinsame monumentale Gesinnung, die Architekt und Maler verbindet, eine klare Gestaltung des Innenraums hervorrufen kann. (Beispiel: Wils-Huszar: Atelier Bersenbrugge im Haag.) Im Gegensatz zur dekorativen Ausführung des Barock verstärkt die Malerei die Architektur, statt sie zu vernichten. Leider kann ich diese Innenräume nur in Schwarz-Weiß vorführen.
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